Frühstück im Wochenbett geniessen

Eine heilige Zeit. Eine Frau wird zur Mutter.

Diese Zeit (Wochenbett) gehört der Mama. 

Wunderschöne Zeit...

Und manchmal auch schwierig. 

   Nach der Geburt unserer dritten Tochter blieb ich eine Woche lang im Schlafzimmer, in dem sie auf die Welt kam. Es war unser Zimmer, voller Wärme. Die Morgensonne schien durch die grünen Vorhänge und am Nachmittag gaben kleine orientalische Kugeln ein zartes Licht. 

   Ich wollte die Zeit anhalten. Ich wusste schon wie einzigartig sie ist und wie schnell sie vergehen wird. Ich genoss alles. Bewusster und achtsamer. 

    Ich spürte tief in mir Liebe und Mut. Ich fühlte mich stark. 

  

   Ich schreibe es als Mutter von drei Kindern, als Therapeutin die mit Frauen arbeitet und als Freundin meiner Freundinnen. Manche Frauen sagen erst Monate später: wenn ich es nochmal erleben darf, mache ich es anders, ich werde es genießen, auf mich schauen... Es war mir zu viel, zu anstrengend... Ich hätte Hilfe gebraucht... Ich dachte, ich muss es alles selbst schaffen...   

  Lass dich nicht beirren. Lass beiseite die gesellschaftlichen Meinungen, die uns prägen, die Ratschläge, die Vorbilder die Du kennst oder hinterfrage sie alle. Höre auf Deine innere, kluge Stimme. Sei hier, mit allen Sinnen. Sag was Du willst, was Du brauchst. 

   Ich möchte Dir eine Anregung mit diesem Artikel schenken, vielleicht wird es für Dich eine Bestärkung sein, vielleicht eine neue Sicht. Ich möchte Dich vor allem ermutigen, es so zu gestalten, wie Du es braucht und gut findest!

 

   Liebe Männer, falls ihr es lest! Für euch ist die Geburt des Kindes auch eine neue Erfahrung, nun aber ist sie nicht so körperlich. Ihr seid nicht geschwächt von der Geburt und nicht durch die hormonellen Veränderungen beeinflusst. Ich bin der Meinung, dass die Mütter starke, engagierte Männer daheim brauchen, die die Ärmel hochziehen. Sie sind auf eure Hilfe angewiesen. Sie beschützen und ernähren das Baby und selbst wollen sie auch beschützt, versorgt, getröstet und bekocht werden. Ihr solltet schauen, dass es der Mama eures Kindes gut geht, damit sie Kräfte für das kleine wundervolle Wesen hat.

   Was ich persönlich brauchte: 

         Ruhe 

         Baby bei mir, immer 

         Viel Schlaf

      

         Warmes Essen

  Das Wochenbett dauert 6-8 Wochen lang.  

   Am besten bleibst Du die ersten paar Tagen nach der Geburt zusammen mit deinem Baby im Bett. Dein Körper braucht Erholung nach der Anstrengung der Geburt und während der Umstellung des gesamten Organismus. Aufgrund der starken hormonellen Veränderungen bist du auch sensibler, wenig belastbar und sogar etwas unvernünftig. Man kann über dieses Phänomen lesen. Ich habe es selbst erlebt und war überrascht wie wenig mein gesamtes Wissen hilft wenn ich so vernebelt bin. So gross ist der hormoneller Einfluss. Da hilft die Hebamme. Und für deinen Mann ist es eine Einladung zum einfühlsamen Handeln. Es hilft vor der Geburt über eigene Wünsche zu reden. Diese Wünsche zu nennen ist beim ersten Kind nicht leicht...

  Bei einer Hausgeburt betreut die Hebamme Mutter und Kind zu Hause. Aber auch nach einer Geburt im Krankenhaus, hast du bis 8. Woche Anspruch auf diese Nachsorge (in den 1.-5. Wochenbettstagen täglich, danach noch weitere 7 Besuche). Die Kosten werden im Falle einer Vertragshebamme zur Gänze und im Falle einer Wahlhebamme zum Teil von der Krankenkasse übernommen. Kommt es nach dieser Zeit zu körperlichen/seelischen Beschwerden oder Schwierigkeiten beim Stillen sind weitere Hausbesuche möglich.

   Es ist sinnvoll sich auszuruhen. Wenn es Dir sehr gut geht, genieße es! Wenn Du erschöpft bist, brauchst du sicher noch mehr Ruhe und noch mehr Unterstützung. Das ist gut für deinen Körper (dazu später im Artikel ,,Rückbildung'') und für das Baby. Das Baby braucht ein vertrautes Nest. Es ist noch nicht bereit für eine reizvolle (Licht, Musik, Lärm, fremde Leute etc.) Umgebung.

   Unsere älteren Kinder (7 und 3) kamen natürlich zum Kuscheln zu mir und zum Baby, aber sie spielten auch viel mit dem Papa oder waren mit dem Papa unterwegs. Ich schlief und schlief, mit dem Baby. Wir schliefen unter einer Daunendecke, die so warm war, dass es sich für einen normalen Menschen wie ein Schlaf in der Sauna anfühlen würde! Im Wochenbett stellt sich aber der Temperaturbedarf der Mutter auf den Temperaturbedarf des Babys ein. Sehr klug! Das hätte ich vergessen, aber meine Hebamme hat mich auf die richtige Bahn gebracht... Wir schliefen dann beide länger und tiefer und so blieb es noch ein paar Wochen.        

     Hilfe im Haushalt und warmes, hochwertiges Essen.

   In den ersten Tagen soll eine frischgebackene Mama das Essen ins Bett serviert bekommen. In vielen Kulturen gibt es noch immer verwandte Frauen, die der Wöchnerin dienen. Hier, ich wohne im Mühlviertel, in Kleinfamilien meistern den ganzen Haushalt 2 Personen und das ändert sich nach der Geburt des Kindes oft nicht. Viele Wöchnerinnen, also im Bett liegende, sind deswegen gerne die ersten Tagen im Krankenhaus, wo sie keine Wäsche waschen und keine Küche betreten brauchen um zu essen. Es wird vergessen wie geschwächt, rein physiologisch, der weibliche Körper ist, weil Mütter, ausgestattet mit vielen Hormonen, enorme Kräfte entwickeln um das Kind zu versorgen. Jede Mama schaut mehr aufs Kind als auf sich selbst. Wer kümmert sich dann aber um die Mama, die Neues gewagt hat und sowohl körperlich als auch seelisch den Mount Everest besteigt? 

   Viele Frauen spüren stehend enormen Druck oder Zug nach unten und eine starke Durchblutung des kleinen Beckens, sogar Schmerz. Bei manchen Frauen ist es nur in der ersten Woche so, andere empfinden Stehen über mehrere Wochen als unangenehm. Das macht das Kochen unmöglich. Wenn du das Gefühl hast nicht länger stehen zu können, lege dich hin. Oft sind 5 Minuten schon genug. Oft ist es einfach der falsche Moment. Schone Dich, es wird mit jedem Tag besser.  

Bei manchen Müttern bleibt von der Anstrengung die Milch aus. 

         Haushalt STOPP statt TOP.

   Alles macht der Papa des Babys, bitte! Wäsche einschalten, Wäschekorb tragen, Wäsche aufhängen. Einkaufen. Staubsaugen. Falls er nicht da sein kann, dann die Oma, Freundin, Nachbarin oder eine Familienhelferin von Caritas (Achtung! Es ist teuerer wenn du das Wochengeld beziehst). Ja, eher Frauen ;-) Eine Putzfrau für die ersten Monaten wäre auch super. 

          Eine Freundin oder Oma

   Du brauchst eine die ein Mittagessen bringt, eine Freundin die kommt und einen Tee macht, diesen mit Honig süßt, ins Bett bringt, umarmt, hilft... auf das Baby schaut während du unter der Dusche stehst, mit den älteren Kindern liebevoll spielt... Du wirst dich über einen Besuch von einer Freundin freuen, die zuhört statt von eigenem Alltag zu reden. Du feierst die Geburt deines Kindes und diese Zeremonie dauert ein paar Tage oder länger. Nimm dir Zeit, geniesse es. Diese Tage sind für dich und alle die kommen sollen es wissen. Du kannst vor der Geburt einen netten Brief an deine Verwandten und Freunde schreiben, in dem du deine Vorstellungen und Wünsche mitteilst. 

Eine Wöchnerin braucht keine Besucherinnen/Besucher die sie empfängt (Kaffee, Kuchen) und für die sie sich anziehen oder schminken ,,müsste''.

         

          Liegen bleiben beim Milcheinschuss (3-4 Tag nach der Geburt).

     Bei 2 älteren Töchtern hatte ich einen Wasserfall ähnlichen Milcheinschuss. In meinen prallen, heissen Brüsten in XXL Größe gab es Milch für 3 Säuglinge. Ich konnte kaum liegen und Fieber mit Schüttelfrost raubten mir den Schlaf. Der Milcheinschuss war das Härteste für mich. 

Ich wollte mich dieses Mal besser schützen und fragte meine Hebamme um ihren Rat.

,,Stehe in der Nacht nicht auf!'' sagte sie. In der ersten Woche nach der Geburt ist die nächtliche Ruhe - im Liegen - sehr wichtig.  

Ich brauchte in 2-stündigen Abständen abwechselnd kalte und warme Umschläge. Kalten Topfen legte ich - eingewickelt in ein dünnes Tuch - (sonst bleiben die trocken gewordenen Topfen-Brösel auf der Haut) nach dem Stillen auf die leere Brust und ein feuchtwarmes Badetuch auf die volle Brust vor dem Stillen. Der kalte Topfen wurde auf der warmen Brust schnell zum verkochten und trockenen Matsch. Für den nächsten kalten Umschlag braucht man also eine neue Portion Topfen und ein feuchtwarmes Tuch lässt sich am schnellsten im Badezimmer vorbereiten. Da ich nicht aufstehen sollte, war mein Mann für die Zubereitung zuständig. Meistens rief ich ein paar Mal nach ihm, bis er wach wurde. Er brachte mir dann die Kompresse und ich blieb liegen. Es half! 

    Rückbildung beginnt unmittelbar nach der Geburt. Das beste was du tun kannst, ist liegen und stillen, dazu trinken und essen. 

Lege dich ab dem 1. Tag nach der Geburt auf den Bauch, mit einem kleinen, festen Polster unter deinem weichen Bauch, ein paar Mal am Tag. Diese Lage stimuliert die Rückbildung der Gebärmutter und das Blut fließt leichter ab. Trage ab dem 1 Tag nach der Geburt ein Bauchmieder. Es unterstützt die gedehnten Bauchmuskeln, hilft den Organen sich wieder zu positionieren und stabilisiert die Lendenwirbelsäule, was man sofort nach dem Anziehen spürt. Er sollte ganz eng getragen werden. 

     Es gibt einige Bücher zum Thema Wochenbett. Mir persönlich gefällt das Buch von Loretta Stern und Anja Constance Gaca

                                                                                    Alles liebe! 

                                                                                   Malgorzata Kehrer-Sawka